Werkrealschule / Förderschule

Allgemeine Informationen

Schülerinnen und Schüler

 

In der Werkrealschule / Förderschule am BBZ Stegen unterrichten wir Schülerinnen und Schüler, die aufgrund ihrer Hörschädigung dem Unterricht in einer allgemeinen Schule nicht folgen können.
Die Schülerinnen und Schüler unserer Abteilung haben zuvor die Grundschule am BBZ oder eine allgemeine Schule am jeweiligen Wohnort besucht.

Ziele

Das wichtigste Ziel unserer Arbeit ist es, unsere Schülerinnen und Schüler zu selbständigen Menschen zu erziehen, die in der Lage sind, ihr Leben aktiv zu gestalten. Dazu gehören die Akzeptanz der Hörschädigung und der kompetente Umgang damit. Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit ist außerdem die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit der hörgeschädigten Schülerinnen und Schüler.
Die Schülerinnen und Schüler sollen nach dem Besuch unseres Angebots darüber hinaus in der Lage sein, einem Beruf nachzugehen.

Ein weiteres wichtiges Ziel ist der Hauptschulabschluss.
Die Hauptschulabschlussprüfung besteht aus einer mündlichen Prüfung in Englisch, schriftlichen Prüfungen in Mathematik, Deutsch und Englisch und der Themenorientierten Projektprüfung. Auf Wunsch des Schülers kann er weitere mündliche Prüfungen in Mathematik, Deutsch oder Englisch ablegen.

Knapp die Hälfte unserer Schülerinnen und Schüler wird nach dem Bildungsgang der Förderschule unterrichtet und strebt einen Abschluss der Förderschule an.


Unterricht und Förderung

Der Unterricht und die Förderung am BBZ orientieren sich am Prinzip der "Individuellen Lern- und Entwicklungsbegleitung (ILEB)".
Das heißt: Die Lehrer, Erzieher und ggf. Therapeuten am BBZ versuchen zunächst den Entwicklungsstand des Kindes in verschiedenen Kompetenzbereichen herauszufinden. Dies tun sie durch Beobachtung und gezielte Diagnostik.
In regelmäßigen Abständen treffen sich dann alle am Lern- und Erziehungsprozess Beteiligten zu so genannten Förderplanungsgesprächen, in denen die weitere Förderung des Schülers geplant wird. Bei diesen Gesprächen sind wenn möglich die Eltern, die Lehrer und die Erzieherinnen anwesend. Sollte es notwendig sein, werden auch Psychologen, Therapeuten und andere Experten hinzugezogen.
Die weitere Gestaltung des Unterrichts und der Förderung des einzelnen Schülers orientiert sich dann an diesem Förderplan. Die Maßnahmen sind dabei so individuell wie die Schüler und ihr jeweiliger Entwicklungsstand.

Grundsätzliche Prinzipien sind jedoch:

  • Optimierung der akustischen Bedingungen: Durch kleine Lerngruppen, technische Hörhilfen, günstige raumakustische Bedingungen und die regelmäßige Kontrolle des Hörvermögens sollen die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden, dem meist lautsprachlich geführten Unterricht ohne störende Nebengeräusche zu folgen.
  • Individuelle Lernangebote: Die kleine Lerngruppe macht es außerdem möglich innerhalb des Klassenunterrichts den Schülerinnen und Schüler differenzierte, individuelle Lernangebote zu machen, dies geschieht über individuelle Arbeitsblätter oder angepasste Übungsformen.
  • Zusätzlich können Schülerinnen und Schüler Einzelförderung zur Verbesserung ihrer Sprach- und Sprechkompetenzen oder anderer grundlegender Kompetenzen erhalten. Dazu stehen mindestens zwei Förderstunden pro Klasse in der Woche zur Verfügung.
  • Der Unterricht ist außerdem durch große Anschaulichkeit und Handlungsorientierung geprägt.
  • Wenn es die Voraussetzungen des Schülers sinnvoll erscheinen lassen, wird Gebärdensprache zur Kommunikation eingesetzt. Dies kann lautsprachunterstützend oder in DGS erfolgen.
  • Im Fach "Hörgeschädigtenkunde" werden Themen zur Lebensgestaltung Hörgeschädigter bearbeitet. Wir wollen damit die Schülerinnen und Schüler auf ihr Leben nach der Zeit in Einrichtungen für Hörgeschädigte vorbereiten.

Kooperationen

Die Werkrealschule und die Realschule am BBZ arbeiten eng zusammen.
In den Klassen 5 und 6 gibt es eine gemeinsame Orientierungsstufe. Erst am Ende der 6. Klasse wird für die einzelnen Schülerinnen und Schüler der Bildungsgang festgelegt.
Aber auch in den folgenden Klassen wollen wir eine hohe Durchlässigkeit zwischen den Schularten erreichen, so dass Schülerinnen und Schüler bei Bedarf schnell und unkompliziert in den passenden Bildungsgang wechseln können.

Im Sinne einer Ganztagsschule arbeiten Internat und Schule eng zusammen. Am Nachmittag besuchen die Schülerinnen und Schüler Arbeitsgemeinschaften und weitere Unterrichtsergänzende Förderangebote (UeFA-Projekte).

Im Bereich "Orientierung im Beruf" (OiB) arbeiten wir eng mit der Agentur für Arbeit zusammen.

Wir sind eine Ausbildungsschule der Fachrichtung Hörgeschädigtenpädagogik. Die Lehramtsanwärter absolvieren den praktischen Teil ihrer Ausbildung bei uns. Für die theoretischen Anteile besuchen sie das Seminar für Sonderpädagogik in Freiburg.

Berufsvorbereitung

Der Übergang in die berufliche Ausbildung ist für uns ein wichtiges Thema.

In Klasse 7 schnuppern die Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal in eine Ausbildungswerkstatt an einer Berufsschule. In drei bis vier Terminen bekommen sie einen ersten Eindruck von ihrem möglichen weiteren Werdegang.

Im 8. Schuljahr wird eine Messe zum Thema "Berufsausbildung" besucht, es findet ein erster informativer Besuch des Berufsberaters statt und der Psychologische Dienst der Schule führt bei Bedarf eine Berufsberatungsdiagnostik durch. Es finden Informationsfahrten zur Berufsfachschule für Hörgeschädigte in Neckargemünd und zum Berufsbildungswerk für Hörgeschädigte in Winnenden statt. Verschiedene Betriebe in der Region werden besichtigt.
Außerdem absolviert jeder Schüler ein zweiwöchiges Berufspraktikum.
Gegen Ende des Schuljahres findet eine Berufswege-Konferenz statt. Dabei sind der Reha-Berater der Agentur für Arbeit, die Eltern, der Klassenlehrer, der Schüler und ggf. weitere unterstützende Dienste anwesend. Gemeinsam wird beraten, wie der weitere Bildungsgang des Schülers aussehen könnte und individuelle Lösungen gefunden.
Unser Projekt "Schule (ge)schafft" wird unter dem Menüpunkt "das besondere Profil" dargestellt.

Im 9. Schuljahr können weitere Schnupper- und Probewochen in Betrieben und Schulen folgen. Ab Herbst bewerben sich die Schülerinnen und Schüler um Ausbildungsstellen oder entscheiden sich für eine weiterführende Schule.

weiterführende Bildungsgänge

Nach der Hauptschulabschlussprüfung haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit,

  • in einem Orientierungsjahr genauer zu klären, in welchem Berufsfeld sie eine Ausbildung beginnen möchten (VAB).
  • eine Berufsausbildung zu beginnen (Lehre in einem Betrieb und Besuch einer Berufsschule) oder
  • bei einem entsprechenden Notendurchschnitt eine Berufsfachschule zu besuchen und damit in 2 bis 3 Jahren die Mittlere Reife zu erreichen.

Manche Schülerinnen und Schüler absolvieren ihre Lehre in einem Berufsbildungswerk (BBW) für Hörgeschädigte und besuchen auch die dort angesiedelte Berufssonderschule. Schülerinnen und Schüler, die die Mittlere Reife anstreben, besuchen entsprechend eine Sonder-Berufsfachschule.
Andere besuchen eine allgemeine Berufsfachschule oder absolvieren eine Lehre in der freien Wirtschaft. 
Es sind auch Mischformen sind denkbar (z.B. Lehre in einem Betrieb am Heimatort und Besuch der Berufssonderschule).